Tagebuch,Nicht zu fassen, wie sehr Trolle stinken! Besonders wenn sie vor sich hinkokeln. Übertüncht jeden erdig-angenehmen Zwergenduft und selbst den süßen Geruch frisch geronnenen Schlachtblutes. Ich befürchtete, meine Rüstung und meine Zöpfe reinigen zu müssen. Zwei kratzbürstige Kätzchen versperrten uns den Weg zu Eridiks Gemächern. Habe sie flink im Alleingang mit meiner Axt, der treuen Freundin an meiner Seite, zerstückelt. Definitiv ein angenehmeres Mittel als Wasser und Seife gegen Trollrauchgestank! Brüderchen Morinn stand nur dumm mit der Elfin in der Gegend rum. Ich nehme an, seine verdrehten Moralvorstellungen dehnen sich nun auch noch auf durchgeknallte Haustiere aus. Vom Spitzohr erwarte ich inzwischen nichts anderes mehr. Doch selbst die anderen der Truppe waren in keiner Weise hilfreich. Nicht, dass es mich sonderlich gestört hätte. Aber eins sollte endlich einmal ausgesprochen werden: Dilettanten! Eridiks Erscheinen entschädigte selbstverständlich. Hach, was für ein Mann! Es ist wirklich schade, dass er kein Zwerg ist! Diese Truppe hat ja so gar nichts in diese Richtung zu bieten. Wunderschöne, kräftige, schwarze Locken bis zu den breiten Schultern. (Ein Bart fehlt, aber darüber kann ich hinwegsehen.) Verwegener Blick aus tief grau-schwarzen Augen. Dunkle, glänzende Haut bedeckt von interessanten Narben und ausgesprochen hübschen Tatoos. Es wäre sicher nett, die Bedeutung dieser Zeichen und Formen gemeinsam in einem privaten Gespräch zu diskutieren. Ich überlege schon seit einiger Zeit, mir Tatoos zuzulegen. Ich kann Morinn schon heulen hören: "Wie das ausschaut! Sei ein anständiges Mädchen! Sind deine Haare nicht schon Schande genug? Was würde Mutter jetzt wohl denken? Hör auf Moradin zu verhöhnen." Blablabla. Wenn ich ihn nur nicht trotzdem so lieben würde. Die Motivauswahl zu Hause war jedoch bisher eher unbefriedigend. (Es folgen ein paar krude Zeichnungen der Tattoos und Narben aus der Erinnerung, die dieses Tagebuch, seine Trägerin oder gleich die ganze Ebene mit verschiedensten Flüchen belegen, sowie Bemerkungen wie "linker Handrücken", "unterm Kinn", "rechtes Augenlied", "sehr sexy" und "bei Abryn!") Eridik hatte sich außerdem mit kleinen, eigenartig geformten, will sagen, sehr freizügigen Juwelen geschmückt. Erstaunlich, dass Morinn bei diesem Anblick nicht wieder versucht hat, mir die Augen zuzuhalten. Wenn der wüsste! Hehe, hatte wahrscheinlich genug zu tun, nicht in Ohnmacht zu fallen. Ich kann aber nur hoffen, dass diese sehr feinen und vor allem sehr kleinen Schmuckarbeiten eher symbolischen Charakter haben. Eridiks tief dunkelrote, äußerst elegante Roben sind zumindest ausladend genug. Dass er seine Gewänder mit metallenen Ringen und Kettchen – sicher aus reinem Silber – direkt an seiner Haut befestigt hat, halte ich für äußerst ungünstig im Kampf. Aber es sieht schon sehr sexy aus. Silberne Ringe als Schmuck z.B. durchs Ohr oder vielleicht die Lippe ist eine nette Idee. Ist bestimmt ein schräges Gefühl, wenn man daran zieht… Ich hoffe, wir kehren bald heim! Er ist aber eindeutig kein Kämpfer! Er verlangte, unsere Waffen abzulegen oder wenigstens zu sichern. Dieser Affront erinnerte mich daran, dass er ja eigentlich zu den Bösen gehörte. Doch wir beugten uns tatsächlich! Dann murmelte er irgendwelchen Magierkram an seiner Tür – hatte ich schon erwähnt, was für eine sexy Stimme der Mann hat? – und lies uns in den Raum mit Questin. Der hing von einem Kreuz von der Decke und sah genauso aus, wie ich es vermutet hatte: nicht mehr zu gebrauchen. Als Austausch für diese schlechte Ware forderte Eridik den Kampf gegen irgendeinen Typen mit einem Kopfschmerznamen, dem er wohl noch sechs Seelen schuldete, oder drei Körperteile von uns!!! Eine Zwergenkriegerhand, die dieser total verblödete Orbis auch noch bereit gewesen wäre, ihm zu geben. Ein Priesterauge – ich stellte mich sicherheitshalber vor meinen Bruder, falls dieser in seiner stupiden … Rechtschaffenheit, wie er es nennt, auf ebensolche dummen Gedanken kommen sollte. Und ein Ohr von unserer Diebin, die es verständlicherweise nicht hergeben wollte. Anscheinend außer mir die einzige bei Vernunft. Ich zweifele auch an Eridiks Verstand. Nicht nur, dass er anscheinend nicht kämpfen kann oder zumindest aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen nicht will, er besitzt auch noch die Frechheit, derartige Forderungen zu stellen. Der Trick mit der Echsenhaut und den Flügeln war auch nicht besonders sexy. Die Flügel waren schon okay, aber die grüne, schuppige Haut… Ach, Elfentränen wollte er wohl auch noch haben. Wozu das gut sein soll… Eridiks Geschäftspartner war eine riesige Spinne, die einen Affen und einen fliegenden Hund zur Verstärkung mitbrachte. Eine harte Nuss! Ich erlegte nur das Affenvieh. Auch Orbis hatte seine Schwierigkeiten. Es kann nur sein, dass unsere Kriegsäxte nicht magisch genug waren, sonst hätten wir die Spinne ohne Probleme getötet. Verweichlichte Zauberkundige! Brauchen ihre Magie, um nicht gleich umzukippen! Pah! In einem Anflug von Heldenwahn kletterte dieser winzige Gnom Kraag auf den Spinnentypen. Entweder beeinflusst durch seine überraschend niedrige Weisheit oder einfach durch unsere Zwergentaten. Gebracht hat es selbstverständlich nichts! Kundrie versetzte dem Vieh dann mit einem magischen Geschoss den Todesstoss. Respekt! Das hätte ihr jedoch ruhig einfallen können, bevor das Biest die Chance hatte, meine und Orbis' Rüstung zu zerstören! Mein Plattenpanzer! Erbstück meiner Mutter Aglaya Die Schreckliche, Erbin Abryns Der Orkschlächterin! Kampferprobt, maßangepasst und immer wieder verbessert und verstärkt! Ein unwiederbringliches Einzelstück zerfetzt! Jetzt habe ich nur noch einen Haufen Metall und diesen Drachenschild, von dem ich noch nicht einmal genau weiß, was er für Eigenschaften er hat. Ich fühle mich nackt! Jemand wird dafür bezahlen!!! Kundrie zum Beispiel! Es war schließlich ihre Idee. Oder Questin! Wegen ihm sind wir hier. In meiner Wut und Trauer überließ ich es den anderen, die paar aufmüpfigen Wachen auf unserem Rückweg zu vertreiben. |